stAlucards eyes
An den Abendstern

 

Ich wünschte, es gäbe Alkohol im Haus.

Genießbaren Alkohol.

Das einzig verwertbare Stück schimpft sich Oettinger und ist ein abartiges Billigbier. Mal abgesehen davon gehört es meiner Mutter. Und ich hasse Bier.

Aber ich hätte jetzt echt nichts gegen Gin einzuwenden, mhm...

In letzter Zeit habe ich immer öfter solche Anfälle, falls man das bei der Häufigkeit, mit der sie hartnäckig an mein Bewusstsein klopfen, überhaupt noch Anfälle nennen kann und nicht gleich dazu übergehen sollte, es als Dauerzustand zu bezeichnen.

Ich bin kein Alkoholiker, das nicht. Ich trinke einmal im Jahr und das an Silvester, wenn's hochkommt vielleicht drei Mal, aber manchmal hilft wirklich nur noch Alkohol, um den ganzen angestauten Frust abzubauen.

Und von dem habe ich gerade mehr als genug, auch wenn ich wahrscheinlich wieder maßlos übertreibe. So bin ich eben – ich neige zu melodramatischen Übertreibungen.

Das Objekt meiner Frustration – wie könnte es auch anders sein? - ist immer noch mein Fuß. Ich wünschte ich könnte eine Zeitmaschine bauen, damit in die Vergangenheit reisen und meinen leiblichen Vater um die Ecke bringen, bevor er Gelegenheit dazu hat, mich zu zeugen.

Schließlich ist er an dem Defekt an meinen Füßen Schuld.

Er ist Schuld, dass ich mich dieser OP unterziehen musste.

Er ist Schuld, dass ich mich ihr ZWEI MAL unterziehen musste.

Er ist Schuld, dass die Wunde aufgeplatzt ist und ich jetzt mit einem BESCHISSENEN KRATER auf dem Fuß herumlaufe, er ist an allem Schuld!

Mein Fuß ist mir echt egal. Ich bin kein Mensch, der auf Ästhetik achtet, schon gar nicht bei seinem eigenen Körper. Ich habe mittlerweile so viele große Narben, dass ich längst hätte Selbstmord begehen müssen, wenn mich solcher Kleinkram stören würde. Mich stört nur das Drumherum. Operationen, schier ewig andauernde Krankenhausaufenthalte, ein Arztbesuch nach dem anderen... UND NICHTS KLAPPT!

Die OP war im Mai, IM MAI!!! Wir haben demnächst September, das sind über drei beschissene Monate voller Komplikationen! DREI!!!

Dabei hätte der Fuß nach vielleicht ein einhalb Monaten zum größten Teil schon abgeheilt sein sollen. Ich könnte ganz Rummelsberg in die Luft jagen, allem voran aber meinen leiblichen Vater.

Wenigstens eine Sache klappt bis jetzt – mein Auge. Entweder die Tabletten schlagen an oder ich habe gar keine Autoimmunerkrankung und war wirklich nur allergisch gegen die Titanschrauben in meinem Fuß.

Wobei ich persönlich doch eher zu der Sache mit der Krankheit tendiere. Bei meinem Glück fehlt mir jetzt echt nur noch eine Apokalypse wie Krebs oder AIDS oder wasweißich.

Nächste Woche hätte ich zwei Termine in Rummelsberg gehabt, Orthopädie und Neurologie, aber natürlich klappt es nicht. Und warum nicht? Richtig! Weil ich einfach ich bin und rein gar nichts in meinem Leben klappt! Mein Vater ist in der Arbeit und das Auto meiner Mutter, das herumzickt seit wir es haben, kackt natürlich ausgerechnet jetzt ab. Und der Händler meinte, dass er mindestens zwei Wochen brauchen wird, um es wieder in Gang zu bringen. Wenn überhaupt.

... wie oft habe ich mich schon gefragt „Warum ich?“

Jeder, der das ebenfalls schonmal getan hat, weiß: es bringt nichts. Man kommt einfach auf keine vernünftige Antwort, außer dass es Gott, dem Schicksal oder wemauchimmer unheimlich Freude zu machen scheint, einen zu quälen.

Ja, ich bin gerade in Laune, mich so richtig schön in Selbstmitleid zu suhlen wie ein Emo.

Aber ich bin nicht nur frustriert, sondern auch stinksauer. Und deshalb werde ich jetzt wieder einmal meinen Unmut über eine Sache, die mich schier in den Wahnsinn treibt, zur Sprache bringen.


Es geht um den Freund meiner besten Freundin.
Nennen wir sie doch einfach mal Abendstern. Und er ist die Nuss.

Natürlich wird sie das hier lesen, wenn sie mal Zeit hat, und ich bin mir dessen durchaus bewusst, denn ich schreibe das hier herein, weil es in einer obszönen, unkontrollierten Schimpftirade enden würde, würde ich ihr all das am Telefon mitteilen.

Und ich kann mich schriftlich einfach besser – und vor allem relativ gesitteter – auskotzen.

Also wird jetzt Disturbed aufgedreht, um die ganzen Mord- und Hassgedanken in meinem Kopf zu verstärken, und los geht’s.

Die Nuss – und meine Meinung über sie. Die übrigens alles andere als schön ist. Und schön ist noch freundlich und untertrieben ausgedrückt. Es gibt kein Wort, um meine Gefühle der Nuss gegenüber angemessen auszudrücken. Hass trifft es nicht ganz, Antipathie geht in die richtige Richtung, aber... es trifft es einfach nicht ganz. Punkt.

Ich finde die Nuss potthässlich und verstehe deshalb nicht, wie jemand, der aussieht wie ein nicht abgewischter Arsch auf drei Beinen, sich so eine Scheiße rausnehmen kann, wie er es getan hat. Dem zufolge, was ich so gehört habe, war/ist die Nuss ein richtiger Schützenjäger und feiert/e auch Erfolg beim anderen Geschlecht. Da drängt sich mir doch die Frage auf: HALLO?! Haben denn alle Frauen plötzlich Scheuklappen auf den Augen? Oder haben sie es SO nötig, dass sie sogar die Nuss an sich ranlassen???
Allein bei dem Gedanken, dass er mich nur harmlos ansehen könnte, kriege ich das Kotzen (aber das wegen dem, wie er ist, nicht wegen dem, wie er aussieht).

Wahrscheinlich braut der sich irgendwo dubiose Liebestränke, die all die armen Irren, die sich mit ihm eingelassen haben, verflucht haben. Anders kann ich es mir nicht erklären.

Wenn er einen guten, ansprechenden Charakter hätte, würde ich durchaus nachvollziehen können, dass er Erfolg bei Frauen hat. Es gibt immerhin noch Frauen, denen Charakter wichtiger als Aussehen ist und ich verstehe das, aber das hat die Nuss eben nicht – guten Charakter. Nicht nach dem, was ich bisher über sie weiß.

Er wäre bereit gewesen, irgendeiner so gut wie wildfremden Tussi von Osnabrück nach Düsseldorf zu folgen, aber nicht seiner FREUNDIN nach Nürnberg. Und zu besagter Tussi hält er auch während der Beziehung mehr als nur freundschaftlichen Kontakt.

Da frage ich mich echt – ist denn alle Welt vollkommen irre?!

Und seine seltsamen Stimmungsschwankungen. Da geht der Kerl wegen jeder noch so kleinen Belanglosigkeit sofort an die Decke, beschimpft meine beste Freundin, wirft mit Küchenutensilien nach ihr und trennt sich so gut wie jeden Monat zweimal von ihr, nur um dann wieder angekrochen zu kommen und sie, GROßZÜGIG wie er ist, GNÄDIGERWEISE wieder zurückzunehmen.

Sie zurücknehmen? Wo ER derjenige war, der ausgetickt ist? Alles klar.

Aber was ich mich dann immer und immer wieder frage – warum bist du so naiv, Abendstern?

Ja, dieser Absatz hier wird jetzt direkt an dich gehen, weil ich es dir nie im Leben ruhig am Telefon sagen könnte. Unter anderem, weil es scheint, dass du es dir zwar anhören würdest, aber es würde nichts, rein GAR NICHTS, bringen und du würdest weiterhin so vor dich hinleben wie bisher. In einer Beziehung, die es nicht wert ist, für sie zu leiden, was du mehr als nur offensichtlich tust, sonst würdest du mich nicht anrufen, in der Hoffnung, dass ich deiner Meinung bin. Die du ständig anzweifelst und deshalb Rat bei anderen suchst.

Es gibt so viele Gründe, weshalb ich der Nuss in die Fresse schlagen will. Ich würde sie am liebsten in ihre verkümmerten Weichteile treten, mich daran laben zu sehen, wie sie sich am Boden krümmt, nur um dann gleich nochmal zuzutreten. Am besten so lange, bis sie hoch und heilig gelobt, schwul zu werden und nie wieder auch nur einem einzigen Frauenhintern hinterher zu schauen. Andererseits mag ich Schwule und die Nuss wäre in dieser Szene eine Zumutung. Also das ganze nochmal von vorne, bis die Nuss schwört, völlig asexuell zu werden.

Aber ich schweife ab und egal wie verlockend dieser Gedanke für mich ist – zurück zum eigentlichen Thema.

Die Nuss und du.

Die Nuss geht fremd, die Nuss tickt wegen jedem Kleinkram aus, die Nuss sieht ihre eigenen Fehler nicht ein, weil sie ja ach so perfekt ist, ... und du liebst sie trotz alledem.

Das ist einerseits sehr bewundernswert, andererseits sehr, sehr dumm.

Ich weiß nicht, ob das, was du für die Nuss empfindest, wirklich Liebe ist, weil ich keine Ahnung mehr habe, wie sich Liebe anfühlt, aber ich persönlich bin und bleibe der festen Überzeugung, dass es keine ist.

Es als psychische Abhängigkeit zu bezeichnen ist vielleicht etwas abwegig, aber irgendwie auch wieder nicht.

Je länger du mit ihm zusammen bist und je öfter du mich verzweifelst anrufst, weil er sich schon wieder irgendeine linke Nummer erlaubt hat, desto mehr wächst in mir die Überzeugung, dass du nicht mehr alleine sein kannst. Das gilt auch rückblickend für vergangene Beziehungen, vor allem für die, die nach dem Zuhälter kamen, also die Nuss und den kleinen Emo, der genauso wie mein Bruder heißt.

Bei beiden kämpfst bzw. hast du verbissen darum gekämpft, die Beziehung intakt zu halten, obwohl sie bereits wie ein altes, leeres Gebäude nicht mehr ist als ein Haufen aufgeschichteter Steine, die langsam, aber sicher auf „Ruine“ zusteuern.

Mir ist echt egal, was du darauf erwiderst, weil ich mir sicher bin, dass du versuchen wirst, diese Theorie zu widerlegen. Aber ich bleibe dabei, komme was wolle.
Dabei bist du nicht allein.

Du hast uns.
Weißt du noch, was Freunde sind?

Das soll jetzt nicht fies klingen - um Himmels Willen nein! - , aber du hast mir doch selbst erzählst, dass du dort nicht wirklich Freunde hast.

Hier unten dagegen haben wir alle eine Freundin verloren.

Nur wahre Freunde trauern um einen und es gibt mehr als nur mich, die um dich trauern, auch wenn ich dich vielleicht am meisten vermisse.

Ich rede von unserem bisexuellen Heidenzirkel. Es ist schließlich nicht so, dass sie dich völlig aus ihrem Gedächtnis gestrichen hätten, nachdem du gegangen bist. Sie mochten dich und es war nie langweilig, wenn wir uns in den Pausen zu zweideutigen Gesprächen getroffen haben. Ist es zwar auch ohne dich nicht, aber es fehlt eben einfach einer im Kreis.

Und ich, ich bin deine beste Freundin. Du jedenfalls bist meine und das, was du da oben so alles erlebst, tut mir weh.

Richtig weh.

Und zwar nicht, weil ich dich nur mag, sondern weil ich dich liebe.

Das habe ich dir schonmal gesagt und du weißt wie es gemeint ist (sorry Süße, aber du bist nicht ganz mein Typ xP) und ich sage es gerne nochmal. So lange bis du es endlich völlig kapiert hast.

Jedes Mal, wenn du von der Nuss erzählst, hänge ich am Telefon, höre dir zu und stelle mit nebenbei vor, wie ich im Lotto gewinne, mir eine komplett eingerichtete Folterkammer miete und dort Sachen mit der Nuss anstelle, gegen die jeder Splatter auf diesem Planeten der reinste Kindergeburtstag wäre.

Immer, wenn ich höre, was der Kerl diesmal angestellt hat, bin ich nicht mehr erstaunt, sondern kann nur den Kopf schütteln, wehleidig seufzen und mir das ganze zum x-ten Mal anhören.

Aber außer den Taten der Nuss, weißt du, was mir fast noch mehr weh tut?

Deine kolossale Dummheit!

Ich will nicht, dass du dich angegriffen fühlst, aber nach all den Monaten, die du jetzt mit der Nuss zusammen bist, finde ich einfach kein anderes Wort für dein Verhalten als das.

Und als deine Freundin fühle ich mich verpflichtet, dir die Wahrheit zu sagen.

Ich werde nicht freundlich lächeln, verständnisvoll nicken und dich für dein Verhalten loben und dir einen Orden verleihen, wenn ich nicht der Meinung bin, du hättest einen verdient.

All die Fehltritte in deinem Liebesleben haben mich eins gelehrt – wenn ich nur stumm zusehe, wie ein Idiot lächle und dich geradewegs in die Apokalypse rasen lasse, dann habe ich als Freundin eindeutig irgendwo versagt.

Ich habe es versucht. Wirklich.

Ich habe versucht meine Abneinung gegen jeder deiner Freunde in Zaum zu halten. Natürlich war ich eifersüchtig und das weißt du auch. Und gerade deshalb – weil ich wusste, dass es irgendwie hohl war, eifersüchtig zu sein - habe ich versucht mit deinen Partnern auszukommen. Außer mit dem Zuhälter. Mit einem solchen Schürzenjäger, dem der Schwanz schon aus der Hose baumelt, wenn er nur an eine Frau denkt, muss ich nicht auskommen, weil er es nicht verdient hat.
Weil er dich nicht verdient hatte.

Beim Wischer habe ich, zugegeben, eine halbe Ewigkeit gebraucht, um mich mit dem Gedanken abzufinden, dass ihr jetzt zusammen seid und ich habe es auch geschafft. Er war dein Freund? Gut, dann lassen wir doch mal ein wenig Optimismus walten und hoffen, dass es mit euch beiden klappt.

Was es offensichtlich nicht hat.

Trauma Nr. 1.

Dann kam der Emo.
Ich zähle den Zuhälter nicht als Partner, weil das irgendwie nur so eine locker-lose Beziehung war.

Aber der Emo. Sein kleines primäres Geschlechtsmerkmal hat er mit seinen Komplexen kompensiert.

Jammer jammer heul jammer jammer blablabla alles ist doof.

Trauma Nr. 2.
Er war ein Weichei. Was nicht unbedingt abgrundtief schlecht sein muss, wenn er wenigstens damit hätte umgehen können, was er eben NICHT konnte.

Und jetzt ist bereist Trauma Nr. 3 in vollem Gange.

Ich dachte, nach dem Wischer könnte ich niemanden so hassen wie ihn.

Fehlanzeige. Ich hasse den Emo viel mehr.

Danach dachte ich, ich könnte niemanden so hassen wie ihn.

... aber man lernt nie aus. Inzwischen hasse ich die Nuss wie den Wischer, den Zuhälter und den Emo zusammen. Und habe mir vorgenommen, nicht mehr so vorschnell Schlüsse zu ziehen. Irgendwann kommt bestimmt jemand, den zu hassen ich mir zur Lebensaufgabe machen werde. (Dann hat mein Leben wenigstens endlich einen Sinn... *lol*)

Aber – zurück zu deiner kolossalen Dummheit.

Wie oft hat die Nuss dich schon an den Rand der Verzweiflung gebracht?

Wie oft hat die Nuss sich schon von dir getrennt, weil ihr gerade danach war?

Wie oft hat die Nuss sich schon zu bessern gedacht, aus dem dann sowieso nie etwas wurde?

Wie oft hat die Nuss bereits etwas nach dir geworfen?

Ein Mal, ja. Aber das wird noch viel öfter vorkommen, darauf kannst du Gift nehmen!

Und was machst DU?!

Versuchst dich so zu ändern, damit die Nuss keinen Grund hat, auszuticken.

Ändern er sich?
Nicht wirklich.

Vergibst ihm immer wieder, obwohl er dich verletzt und zum weinen bringt.

Warum?

Redest immer davon, dass du deine Gefühle endlich unter Kontrolle hättest und am nächsten Abend klingelt bei mir das Telefon, damit der Abendstern sich bei mir ausheulen kann.

Rufst mich an, weil du unsicher bist. Dinge, die für mich glasklar sind, zweifelst du genauso an die die Leute damals eine runde Erde.
Wo ist der Abendstern von früher hin?

Der wusste nämlich, was er will und wie er es bekommt!

Der jammerte nicht rum, weil ihn jemand gehörig in den Arsch getreten hat, sondern hat zurückgetreten.

Der war sich der Dinge, die er tat, absolut sicher und das war auch gut so!

Ich weiß ja, dass Liebe blind macht und ich glaube auch fest daran, aber man müsste meinen, dass du nach über einem halben Jahr die schwuchtelige rosarote Brille abgelegt hättest.

Stattdessen fragst du mich nach Dingen, bei denen ich mich beherrschen muss, um nicht durch das Telefon zu kriechen, meine Zahnseide mitzunehmen und dich ganz langsam damit zu erwürgen!

Mir fällt jetzt bedauerlicherweise kein konkretes Beispiel ein, aber ich erinnere mich an ein Telefonat, das schon eine Weile her ist, in dem du mich gefragt hast, ob dein Verhalten ihm gegenüber angemessen war.

Er hatte – mal wieder – irgendeine scheiß Nummer abgezogen und es war dein freies und verdientes Recht, ihn dafür zur Rechenschaft zu ziehen.

Und dann rufst du mich an und fragst ängstlich und unsicher nach, ob du nicht vielleicht übertrieben hast.

Willst du wie irgendeine dieser verblödete Tussen enden, die ich zu Hauf kenne und verabscheue?

Ich habe dir öfter erzählt, wie es so in den Hinterwäldlerkäffern von Tschechien zugeht.

Da werden sie mit 17 schwanger, ziehen mit einem Kerl zusammen, den sie eigentlich nur vom Poppen kennen und fristen so die nächsten Jahre ihres Daseins.

Der Kerl fängt an zu saufen, weil er sich nicht so früh an jemanden binden wollte, geht fremd und kommt heim, wann es ihm passt. Wenn die Frau Glück hat, arbeitete er.

Wenn er besoffen ist – oder nüchtern, da gibt es keinen großen Unterschied – schlägt er sie, beschimpft sie als Hure und verprügelt vielleicht sogar die Kinder.

Und weißt du, was die Frau dann macht?

Was ungefähr vier Frauen machen, die ich alle persönlich über meine Mutter kenne?

Sie halten die Klappe.

Lassen sich schlagen, ertragen die Erniedrigungen und das Weinen ihrer Kinder, wenn „Papa“ sie mal wieder für sein verkacktes Leben bestraft.

Und wenn man sie fragt, WARUM um Gottes Willen sie ihn nicht verlassen, dann senken sie den Kopf, seufzen und meinen: „Ich weiß nicht. Ich liebe ihn einfach.“

DAS ist für mich keine Liebe. Das ist pure, psychische Abhängigkeit, wenn sie nicht einmal ihre Kinder vor ihm beschützen.

Sie können die Vorstellung nicht ertragen, alleine zu sein, obwohl sie ohne den Kerl viel besser dran wären.

Genauso eine Abhängigkeit hast du auch.

Und nichts wird mich von dieser Theorie abbringen.

Für mich ist das schon längst eine Tatsache.

Ich bin auch der Meinung, dass dein Auszug nicht hauptsächlich aus Liebe geschah, sondern weil du endlich von deinen Eltern los kommen wolltest, was ich zwar irgendwo noch nachvollziehen kann, wodurch du aber eindeutig vom Scheißhaufen in die Gülle geraten bist.

Die Nuss verdient niemanden wie dich und er hat dich zerstört.

Vielleicht nicht im Alleingang (Wischer, Emo, ...), aber er ist am meisten am Schaden beteiligt, da du dich in der Beziehung mit ihm am meisten verändert hast.

Und zwar nicht zum Positiven.

Du bist verzweifelt, du bist zu gutgläubig und dumm, hoffst ständig, dass sich alles noch zum Guten wendet und hast dich um 180° gedreht.

Fort ist der Abendstern von früher, der kein leichtes Leben mit seinen Eltern hatte, aber der sich nicht hat unterkriegen lassen, der sich dessen, was er tat, (zu Recht) sicher war und den ich toll fand.

Zurückgeblieben ist ein Abendstern, den ich nicht mehr bewundere. Höchstens bemitleide.


Mach mit diesem Text was du willst, denk darüber, was du willst, aber versuche nicht, mir irgendwelche von den darin erwähnten Punkten auszureden, sonst komme ich wirklich mit der Zahnseide vorbei und erledige zuerst dich und dann die Nuss.

Ich bin gerade - mal wieder – so stinkwütend, dass ich dazu durchaus in der Lage wäre, wäre das Telefon nicht so eng.

Ich kann es nur immer wieder erwähnen – ich bin androphob, weil mich mein Umfeld, vor allem du, geschädigt hat.

Wenn ich die Arschlöcher sehe, mit denen du dich abgibst und dein Verhalten, dass ich jämmerlich finde, dann merke ich wieder, dass Single sein das schönste Geschenk auf Erden ist.

Ich werde mir jetzt das Bier meiner Mutter schnappen, es mir hinter die Binde kippen und meine pochenden Kopfschmerzen mit ein wenig mehr Disturbed unterstützen, bevor ich mich wieder an mein Buch setze.

Ich habe wahrscheinlich wieder die Hälfte von dem, was ich dir sagen wollte, vergessen, aber ich habe einfach keinen Nerv mehr.
Wenn du unglücklich sein willst, tu das.

Es ist dein Leben und als deine beste Freundin leide ich nunmal mit jedem Telefonat, in dem auch du leidest.

Aber weißt du was?

Ich werde mir das nicht mehr antun.
Wenn du das nächste Mal wieder irgendeiner linken Nummer von der Nuss kommst oder mir davon erzählst, dass du dir nicht sicher bist, ob es richtig war, ihn wegen der Scheiße runterzumachen, lege ich einfach auf.

Ich werde ein zuckersüßes Lächeln aufsetzen, den Hörer ganz locker umfassen und einmal tief Luft holen, bevor ich sage: „War schön mit dir zu reden, Abendstern.“ Und dann lege ich auf. So einfach ist das, weil ich langsam echt genervt bin.

Nicht nur, weil sich das ständig wiederholt, was die Nuss macht oder was du machst und nicht machst, sondern weil das bereits dein dritter Freund ist, bei dem du immer noch nichts dazugelernt hast.

Spiel's auf CD und schick's mir, dann habe ich es einmal für immer.

Aber in meinem Kopf ist bereits alles abgespeichert, also kann ich es immer und immer wieder abspielen.

Was ich aber nicht will.

Nimm das als gut gemeinten Ratschlag und nicht als Ansammlung von betrunkenem Schimpfen.

Denn ich bin vollkommen nüchtern und meine jedes Wort so wie es da steht.

25.8.09 17:25
 


bisher 2 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Lady Beckett (25.8.09 18:22)
Ich nehme dir das gerade überhaupt nicht übel. Ich gebe dir sogar vollkommen Recht.
Ganz ehrlich... ich frage mich schon, wie du das eigentlich mitmachst. Dass du "eifersüchtig" warst oder bist, kann ich irgendwo auch nachvollziehen. Ach, Guy, ich liebe dich auch, und das sogar ziemlich sehr (du weißt ja, wie ich das meine^^), deswegen erreicht mich sowas aus.
Naja, ich habe dir ja am Telefon was gesagt, und daran halte ich mich auch. Wenn das möglich wäre, würde ich dich gerne einen Blick in meine Gedanken werfen lassen, damit du siehst, dass es mir damit ernst ist. Ich glaube, anders kann man das nicht begreiflich machen.

Jetzt mal ganz ehrlich. Es tut gut zu wissen, dass es da draußen jemanden bzw. viele jemande gibt, denen man eben nicht egal ist.


Gori Elbenklotz (25.8.09 19:38)
Naja.... uû
Ich hoffe einfach mal, dass du dich diesmal nicht wieder einlullen lässt, wie bei diversen Situationen davor.
Hast du denn die E-Mail auch noch an die Kollegstufenleiter geschickt?

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